Wir alle haben uns mehr oder weniger in Lebenszusammenhängen und Komfortzonen eingerichtet, die uns zwar bei der Bewältigung des Alltags dienen, aber echte Lebendigkeit in Form eines hingebungsvollen Lebens im Jetzt verhindern. Corona hat uns nun aus unserer Illusion von der Sicherheit schon lange existierender Strukturen geworfen, auf die wir uns immer verlassen können. Evelin Rosenfeld beschreibt, wie sie in all dem Chaos mit Hilfe von Heilpflanzen immer wieder eine offene Haltung gegenüber den Herausforderungen des Momentes findet.

Es ist kein Frühjahr wie jedes andere. Wir alle sind damit beschäftigt, Informationen, Bedingungen und Empfindungen zu verarbeiten, die neu für uns sind. Ich zum Beispiel darf seit sechs Wochen die Seminare und Permakultur-Praxiswochen nicht abhalten, die einen wesentlichen Teil meines Einkommens darstellen. Andere haben Kinder und Pflegebedürftige, die ganztägig zu Hause betreut werden müssen. Oder müssen kurzarbeiten, was schon ganze Industriezweige durchzieht. Je länger die von der Regierung ausgerufene Krise mit ihren Restriktionen anhält, umso fragwürdiger werden die Haltepunkte unserer Lebensgewohnheiten. Wir alle werden nicht nur durch die ad-hoc- Fragen, die die sofortige Neuorganisation des täglichen Lebens betreffen, und die Sehnsucht nach einem Exit aus dem Lockdown aus der Komfortzone geschleudert.

Noch drängender für viele erscheinen die Langzeitwirkungen dieses weltweiten Ausnahmezustands: Was bedeutet diese Zeit für die Zukunft der mittelständischen Wirtschaft, die Wahrung unserer Grund- und Schutzrechte, die globalen Lieferketten? Wie sollen die billiardenhohen Ausgleichszahlungen je refinanziert werden? Entsteht so etwas wie eine pharmazeutische Diktatur, so dass wir zwangsgeimpft werden? Wer sich bisher in der wohligen Sicherheit eines demokratischen Rechtsstaates wiegte, muss jetzt feststellen, dass die Dinge nicht ganz so überschaubar sind wie angenommen. Wer bisher glaubte, auf gesichertes Einkommen und Ersparnisse zugreifen zu können, sieht sich jetzt ungeahnten Herausforderungen gegenüber.

Unsicherheit und Haltlosigkeit – Die Schafgarbe weist eine neue Richtung

In einer solchen Zeit fehlen verlässliche Fakten und materielle oder soziale Haltepunkte – und sie sind auch nicht einfach ersetzbar. Als „Bäuerin“ weiß ich sowieso nicht, ob die Saat, die ich in den staubtrockenen Boden gebe, aufgehen und gedeihen wird. Und ich kann auch den Regen nicht herbeizaubern.

Das allein schon sind Unsicherheitskomponenten. Jetzt weiß ich außerdem nicht, ob die Geschäfte, die meine Marke „Wild Natural Spirit“ führen, nach der Wiedereröffnung endlich die nächsten Chargen bestellen können und werden – und somit die schon bald anstehende Neuproduktion unserer kostbaren Destillate finanzieren. Keine Fakten, auf die wir bauen können, keine konkreten Eingriffsmöglichkeiten. Nicht, dass dieses Nichtwissen für mich erst mit Corona und dem seltsam konzertierten Verhalten der Regierungen gekommen wäre und ich mich damit auseinandersetzen muss. Doch spätestens jetzt wird diese Art des Nichtwissens, in dem wir uns eigentlich bis zu einem gewissen Grad ständig befinden, fast jedem bewusst.

Und damit sind wir alle herausgefordert, für uns selbst Haltepunkte zu finden, die nicht abhängig sind von der äußeren Regulierung und den weltlichen Gestaltungsmöglichkeiten. Wir können uns nicht mehr am Außen orientieren. Um in dieser wilden Zeit nicht unterzugehen, brauchen wir wir darum vor allem eines: eine innere seelische Stärkung, eine Bewegung des Loslassens und eine den Wahnsinn der aktuellen Diskussionen transzendierende Gesamtschau – mit einem Standpunkt weit oberhalb unserer persönlichen Befindlichkeiten. Jetzt hat hier seinen eigenen Weg. Da ich ja den Pflanzen folge, sie als Lehrmeister und Heilerinnen sehe, gehe ich mit meinem Nichtwissen, meiner Ohnmacht in den Garten. Und finde dort Unterstützung. Beispielsweise wurde Achillea millefolium – eine traditionelle Heilpflanze unseres Kulturkreises – unter anderem bei der keltischen Priesterinnen-Weihe gereicht, um die Hingabe an eine spirituelle Führung und das Loslassen weltlicher Zusammenhänge zu unterstützen. Das feingliedrige Kraut mit den zarten, weißen Blüten und dem tiefblauen ätherischen Öl weitet Raum und Wahrnehmung, eröffnet Zugang zum Vertrauen in das Göttliche, in die Fügung, in das Leben.

Wut und Polarisierung – Der Sonnenhut klärt den Eigenraum

Doch kaum habe ich mich ein wenig stabilisiert, mein Urvertrauen in den Lauf des Lebens reaktiviert, da packt mich die Wut. Masken tragen? Was für ein Irrsinn. Und warum textet mich ein wildfremder Mensch mit grusligen Horror-Nachrichten zu? Und warum lassen wir uns – lasse ich mir – das alles gefallen ? Die Widersprüchlichkeit und Unlogik der gegebenen Informationen über die Pandemie, die Ursachen, die Perspektiven haben unzählige Brandherde inmitten unserer Gesellschaft entfacht. Renommierte Virologen und Ärzte wurden in Grund und Boden gestampft für Statements, die dem Mainstream widersprechen. Atemberaubende Geschichten zu Hintergründen und Zusammenhängen kursieren. Grundrechte wurden beschnitten und Veröffentlichungen zensiert. Menschen begannen in Supermärkten Streits und denunzierten ihre Nachbarn. Wohl kaum einer hat das so ganz ohne Wut miterlebt. Wut entsteht immer aus Hilflosigkeit und Überforderung. Wut ist der Schritt hinaus in den Raum des anderen – weil der eigene Raum bedroht erscheint. Ich gehe wieder in den Garten. Es hilft ja nichts – die Revolution schaff´ ich heute nicht mehr, vielleicht morgen. Ich brauche Klarheit, ich muss wissen, was denn eigentlich an Möglichkeiten des Umgangs mit der aktuellen Situation in meinen eigenen Händen liegt. Letztes Jahr durfte ich in unserem zauberhaften Sonnenhut-Bestand erfahren, wie gut der Rote Sonnenhut (Echinacea purpurea) diese Verwirrung in mir zu ordnen weiß. Und eine Steigerung dieses klarstellenden, präsenten, standkräftigen Effektes bringt das Reindestillat, das uns den unmittelbaren Zugang zur Seele des Sonnenhuts verschafft. Ist der Ärger schon länger im System, so dass er sich auf das Leberund Gallen-Chi (Chi bedeutet in der TCM Lebensenergie) auswirkt, lindert das Wermut-Destillat den Stau. Das nehme ich eh schon eine Weile…

Gehorsam und Betäubung – Der Salbei fördert Rückgrat und Klarheit

Doch auch das Wegducken, das Kleinmachen und Resignieren ist eine Bewegung, der viele Menschen gefolgt sind. „Ich bin keine Expertin“ – „Wie soll ich das beurteilen“ – „Die werden schon wissen, was sie tun“ – „Ich will nicht schuld sein …“ – all diese Gedanken und Empfindungen haben uns aus der Schusslinie – aus der Verantwortung – gebeamt, für das, was seit Wochen weltweit geschieht. Zu groß scheinen die Einflüsse, Machtund Wissensfaktoren zu sein, zu eindringlich waren die Strafandrohungen, als dass wir echte Auseinandersetzung und vielleicht sogar Widersetzung gewagt haben.

Während das Außen in vielen Bereichen erstarrt, nagt im Inneren das Gefühl der Selbstverleugnung und Ohnmacht an uns. Wer das nicht ausgehalten hat, griff zu Betäubung nach Geschmack – die Variationen reichten von Alkohol bis Videogames… Nun, da die erste Welle abebbt und für Gehorsam die Lage in sich zu widersprüchlich erscheint, tut mir der Salbei mit seiner klaren Struktur und substantiellen Stärkung gut. Auch diejenigen, die ihn zunächst nur für Lungen- und Bronchialprobleme nutzten, erfahren jetzt, wie aufrichtend und klärend seine Wirkung auch auf psychischer, geistiger und emotionaler Ebene ist. Es ist wie ein Ruf: „Raus aus der Komfortzone! Niemand kennt die ganze Wahrheit, niemand wird dich durchs Leben tragen. Richte dich selbst auf. Schaffe Strukturen, die dir gemäß und dem Wandel gewachsen sind!“

Abheben und Illusion – Die Melisse bringt ruhigen Bodenkontakt

Wieder andere haben in dieser Zeit den Bodenkontakt etwas verloren: Das goldene Zeitalter findet – so hoffe ich doch – durchaus (auch) in dieser dreidimensionalen Zeit statt. Nach wie vor gilt für alle Lebewesen hier auf der Erde, dass sie Wärme brauchen und Nahrung, dass Versprechen Gültigkeit haben und das Leben endlich ist. Es ist gut verständlich, sich angesichts der beunruhigenden Nachrichten ein Stück weit zurückzuziehen von einer polaren und polarisierenden Welt, die aus den Fugen scheint. Doch Leben will ja auch gelebt sein – mit allen Sinnen, mit Positionen, Taten und Konsequenzen… Für die Menschen, bei denen sich das Gefühl „anders zu sein“, „nicht hierher zu gehören“ oder ähnliche Impulse der Abwendung verstärkt haben, hat der „Kraftprotz im Samtmantel“ – Melissa officinalis – eine hilfreiche Frequenz. Das Reindestillat – eingenommen oder äußerlich verwendet – beruhigt die überreizten Nerven, lässt die friedliche Verbundenheit zu dem, was ist, hervortreten und fördert die Erdverbundenheit. Aus dieser Haltung heraus können wir uns in den neuen Räumen, mit neuen Fragen und Veränderungen dieser Zeit besser erden, ruhig in das Geschehen blicken und aus der eigenen, gewachsenen Kraft heraus antworten.

Raus aus der Komfortzone – atme dich frei

Dem Neuen geht immer ein Ende voraus. Es lädt dich ein – oder zwingt dich, wenn du Widerstand leistet – das Gewohnte loszulassen und dich in deiner Unwissenheit und Nacktheit neu zurechtzufinden. Diese Corona- Zeit gibt vielen Menschen Gelegenheit, genau hinzusehen, worauf sie sich bisher verlassen haben, es neu zu bewerten … und nun auch eigenverantwortlich Konsequenzen zu ziehen – vor allem, wenn Änderungen erforderlich sind. Es macht wenig Sinn, sich nach der Wiederherstellung der bekannten Komfortzone zu sehnen – das Alte ist vergangen und wird sich nicht mehr rekonstruieren lassen. Pflanzen können für uns den Übergang zum Neuen erleichtern. Sie stellen einen so kostbaren Weg dar, dem Leben zu folgen und die sich ständig wandelnden Lebensbedingungen zu assimilieren. Hingabe, Öffnung, Anpassung sind ihre großen Fähigkeiten. Und dabei stehen sie – nahezu unsterblich – als atmendes Individuum, mit eigenen Wurzeln, mit sprossenden Blüten in der Welt und sind bereit, uns auf unserem menschlichen Weg mit ihren Kräften zu helfen…

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